Dominikaner in Berlin

 

Das Dominikanerkloster Sankt Paulus befindet sich im Bezirk Tiergarten (Moabit) an der Oldenburger Straße und der Waldenserstraße. An der Oldenburger Straße liegen das Pfarr- und Gemeindehaus von 1905/07 sowie das östliche Seitenschiff der Kirche. Die Hauptfront ist der Waldenserstraße zugewandt. Der Chor der Kirche ist nach Süden ausgerichtet. Die Kirche und das dazugehörige Konventswohnhaus wurden in den Jahren 1892/93 durch den Architekten Engelbert Seibertz errichtet.

Die Kirche ist als dreischiffige spätgotische Hallenkirche erbaut. Dem Langhaus, bestehend aus drei Jochen, schließt sich das Querschiff an, welches um ein Joch über die Seitenschiffwände hervorspringt. An der Westseite der Kirche liegt die Sakristei mit der darüber befindlichen Hauskapelle des Klosters. Das dreigeschossige Wohnhaus schließt sich dem Sakristeibau an.

Der orange-rötliche Backsteinbau mit dem weißen Fugennetz ist im Äußeren zurückhaltend gestaltet. Wiederkehrende Schmuckelemente sind die grünglasierten Verblender, welche Strebepfeiler und Mauerkanten zieren, und die Gesimszone.

Nähert man sich dem Bau von der Oldenburger Straße her, so fällt der Blick zuerst auf die fensterlose Querschiffassade, an die sich ein Treppenturm anlehnt, der die Ostempore erschließt. Einzig das Giebelfeld der Fassade ist mit drei Blendfeldern geschmückt. Der Weg zur Hauptfront der Kirche führt an der Seitenschiffwand vorbei, an der das dreijöchige Langhaus mit seinen dreibahnigen Fenstern sichtbar wird. Diese vorgesetzte Hauptfassade wird von zwei 45 Meter hohen Türmen flankiert. Ihr Grundriß ist quadratisch und geht im Glockengeschoß ins Achteck über. Den Abschluß bildet ein achtseitiger Helm in Kupferdeckung, dessen Basis von Ziegelgiebeln flankiert ist.

Der Mittelteil der Hauptfassade setzt sich aus dem Hauptportal, der Fensterrose und dem zwischen den Türmen liegenden Giebeln zusammen. Das heutige Hauptportal ist das inzwischen dritte an dieser Stelle und ersetzte bei der letzten Außensanierung 1987 das von 1960. Drei Türen ermöglichen den Zugang zur Kirche, wobei die mittlere größer und durch einen Giebel betont ist. Über ihr ist das Dominikanerwappen als Relief eingelassen. Die Fensterrose über dem Hauptportal wird von einem großen Rundfenster und acht kleineren, das größere umkreisend, gebildet.

Nach Eintritt durch das Hauptportal in den Innenraum fällt der Blick durch die Mittelarkade der Orgelempore auf den Chor. Erst beim Herantreten an die Arkade öffnet sich ein weiter, heller Raum.

Der heutige Raumeindruck hat mit dem von 1893 kaum noch etwas gemeinsam. Im Gegensatz zu heute waren die Wände und die Gewölbe mit Ornamenten und Pflanzenranken farbig ausgemalt. Die Pracht der Ausmalung steigerte sich, je näher man dem Chorraum kam. Anstelle der heutigen in Kunstharzbeton eingegossenen Gußgläser waren alle Fenster aus farbiger Bleiverglasung. Im Chor zeigten sie Szenen aus dem Leben der hll. Dominikus und Dominikus.

Acht Bündepfeiler trennen den Raum in drei Schiffe, wobei das Mittelschiff die Seitenschiffe um ein weniges überragt. Zwei Ziegelbänder in der Höhe der Kapitelle der Wandpfeiler und das vierpassartige Kreuzband unterhalb der Fenster umziehen den Raum und wirken dadurch wie eine Klammer. In den Seitenschiffen sind die Fenster dreibahnig, unter ihnen befindet sich der Kreuzweg von 1950.

Nähert man sich dem Chor, so konzentriert sich allmählich der Blick auf diesen. Im Vordergrund befindet sich der große Zelebrationsaltar, seitlich die Kanzel. Das Chorgestühl und dient dem vornehmlich dem Stundengebet. Oberhalb des Gestühls sind Holzfiguren von der hll. Petrus und Paulus sowie von verschiedenen Dominikanerheiligen angebracht, die z.T. aus dem alten Hochaltar stammen.

Links des Chores steht das neugotische Taufbecken.

Rechts des Chores befindet sich das wertvollste Ausstattungsstück der Kirche: der Apostelaltar, dessen Figuren aus dem 15. Jahrhundert stammen. Blickt man nun zur Orgelempore, so zeigt sich ein kurzer, aber weiter Raum. Beherrschend in dieser Blickrichtung ist zweifelsohne die Orgel von 1975. Erwähnenswert sind noch die Räume unterhalb der Emporen mit ihren Kassettendecken, den unterschiedlich gestalteten Kapitellen der Säulen sowie den geschnitzten Beichtstühlen von 1893. Die Emporenbrüstungen im Querschiff zeigen Musikinstrumente in vier Motiven (Krummhorn, Trompete, Orgel und ein Streichinstrument), die wechselnd eingebaut sind. Auf den Emporen fanden vier Figuren von Dominikanerheiligen Aufstellung.

 

 

 

Ebenfalls von 1893 stammen die schönen Bodenfliesen im Langhaus und Querschiff sowie die beiden Weihwasserbecken im Eingangsbereich.

 

 


Dominikanerkonvent St. Paulus | Oldenburger Str. 46, 10551 Berlin, Tel.: 033/398 987 0